15 Jahre private Mitschnitte von Radiobeiträgen

 

"Das Internet vergisst nichts", sag man. Kann es sich auch an das erinnern, was es vor dem Web gab? Was ist mit den Augenblicken geschehen, die in keiner Timeline gepostet werden konnten, weil eine solche noch nicht erfunden war?

Das Internet-Zeitalter hat sich zu einer selbstrefernziellen Bedeutungsblase entwickelt und verdrängt alles was vorher geschehen ist. Wir haben uns mittlerweile neue Erinnerungstechniken angeeignet. Denn nur das, was zu ergoogeln oder nicht in Wikipedia steht und demnächst auch in Facebook zu finden ist, erreicht noch unsere Aufmerksamkeit. Dagegen verschwindet das Wissen der direkten Vorwebzeit allmählich im Dunkel des Vergessens.

 

Das betrifft vor allem Millionen von Hörfunkbeiträgen, die als Lesungen, Features oder Hörspiele das kulturelle Leben der Bundesrepublik geprägt und bereichert hatten. Sie sind "versendet". Die Originalbänder der Beiträge sind kaum datentechnisch erfasst und gammeln als Tonträger in den Kellern der Rundfunkanstalten. Leider sind viele Archive und Bestände auch vernichtet worden - vor allem die des ehemaligen DDR-Rundfunks.

Mit dem Internet hat sich vor allem unsere Mediennutzung extrem geändert. Heute ist es für uns völlig selbstverständlich alle Inhalte "zeitsouverän" zu sehen oder zu hören – wann, wo und womit wir das auch immer möchten.

Das war vor dieser Zeit gänzlich anders. Fernseh- und Rundfunkanstalten sendeten ihre Bild- und Tonbotschaften auf einem temporär festgelegten und damit unwiederbringlichen Zeitstrom in den Äther. Um diesen Bild- oder Tonstrom aufzufangen, war es notwendig zeitgenau vor einem Empfangsgerät zu sitzen. Um ein Stück dieses Botschaftsstroms festzuhalten, musste man es mit einem Tonband oder Kassettenrekorder mitschneiden – um es der Zeit zu entreißen.


Audio-Archiv - ein außergewöhnliches Zeitdokument

 

Zwischen den Jahren 1980 und 1995 habe ich sehr viele Rundfunksendungen privat mitgeschnitten - vorwiegend Textbeiträge, Lesungen, Features, Hörspiele usw. So sind weit über tausend Stunden Material auf 1272 Audio-Kassetten zusammengekommen. Bei vielen Mitschnitten handelt es sich um Raritäten, die sehr wahrscheinlich nirgendwo archiviert sind - das betrifft vor allem die Beiträge von Radio „DDR 2“.

 

Da ich zwischen 1986 - 1996 aktiv als Hörfunkjournalist für den DLF, NDR und WDR gearbeitet habe, sind natürlich auch meine Beiträge archiviert. Diese Beiträge werde ich bei Interesse hier nach und nach als Soundcloud-Files einstellen. Der Anfang macht Pythia, das erste Hörspiel, das sich dem Genre Computerspiel beschäftigt.

 

Aber was mache ich mit den vielen Audio-Schätzen, um sie dem Dunkel des Vergessens zu entreißen und nicht mit dem Urheberrecht anzuecken?

 


Das Audio-Archiv als HTML-Datei

Das Audio-Archiv als PDF

 

Das Audiomaterial habe ich seit 1985 digital katalogisiert. Anfangs hatte ich mir mit "Locomotive Basic" selbst eine Applikation geschrieben. Danach bin ich unter DOS auf dBASE umgestiegen und musste die Einträge aus meinem selbst gebastelten Programm händisch importieren. 1990 habe ich mir meinen ersten Mac gekauft und konnte die Inhalte des Audio-Archivs recht problemlos in FileMaker importieren.