Die neuen Push-Kanäle von APP.NET

Broadcast, der Name des neuen APP.NET-Dienstes, ist etwas unglücklich gewählt. Bei dem Begriff schwingen Unschärfen mit, die eher verwirren als aufklären. Man assoziiert Rundfunk oder die gleichnamige WhatsApp-Funktion, die es erlaubt, einzelne Nachrichten an mehrere Kontakte gleichzeitig zu senden. Das hat etwas mit dem APP.NET-Broadcast zu tun, trifft es aber nicht mal annähernd.

 

"Bei Broadcast handelt es sich um ein System für die Verbreitung von Push-Mitteilungen auf iOS- und Android-Geräte, welche die offizielle App von App.net installiert haben." Martin Weigert skizziert hier allenfalls den Terminus technicus – allerdings ohne dem charmanten Potenzial der Anwendung  gerecht zu werden.

Dalton Caldwell, der CEO von APP.NET gibt in seinem Blogpost die Richtung schon vor: "It’s a noisy world out there. Important news posted to social networks is only seen by a small percentage of the folks who want to receive it. It’s an unfortunate situation for both publishers and subscribers."

Broadcast hat mit dem Social-Media-Gedönse da draußen nicht viel zu tun. Es ähnelt in vielen Ansätzen und Funktionen Twitter, unterscheidet sich aber in einem entscheidenden Punkt von den anderen Social-Media-Einrichtungen: Es verzichtet auf personenbezogenes Tracking zum Wiederverkauf der so gewonnenen Daten an wen auch immer. Deshalb ist es in APP.NET auch völlig normal, sich einen nicht personenrelevanten Fake-Account zu zulegen. Jeder, wie er es mag. Je mehr, desto besser. Denn APP.NET eiert mit seinen 200.000 registrierten Mitgliedern noch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der großen Player herum. Aber wenn es sich herumspricht, welche Vorteile das robuste Kommunikationstool bietet, könnte sich das bald ändern.

Broadcast ist im Gegensatz zu den SMS-Diensten wie WhatsApp, nicht an die Handy-Nummer bzw. an die SIM-Karte gekoppelt. Es ist eine unabhängige App, die auf Android und iOS (leider erst ab Version 7) läuft. Bis auf die Anmeldung hat die App nichts weiter mit APP.NET zu tun. Sie ist in keinem Corporate- und in keinem Tracking-Framework eingebunden. Broadcast dient ausschließlich zum Einrichten von Push-Kanälen und zum Versenden von Push-Nachrichten, die neben längeren Texten auch Links und Fotos enthalten können oder zum Empfang solcher Nachrichten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Kombination aus nicht personenrelevanter Anmeldung der Anwendung, sowie die extrem einfache Bedienung machen Broadcast zu einem effektiven Kommunikationstool. Die Stärken der App liegen in ihrer temporären Natur, der wechselnden Individualisierung, bzw. den Multi-Accounts und dem lokalen Kontext mit dem Hang am Spielerischen.  

Zu abstrakt? Hier einige konkrete Anwendungsideen, die sich vor allem mit kleinen, lokalen und alltäglichen Ansätzen beschäftigen:

- Sport
Unzählige Mannschaften der unterschiedlichsten Sportarten tingeln Wochenende für Wochenende durchs Land, um in ihren Ligen zu punkten. Den Spielverlauf und die Spielstände werden dann umständlich via SMS-Ketten oder über unsichere WhatsApp-Gruppen an die zu Hause gebliebenen Fans weitergegeben. Broadcast wäre hier effektiver, sicherer und kostengünstiger. Und einige Fotos könnten gleich mit gepusht werden. Pling - Markus wiedermal mit Eigentor ;o/

- Reisen / Tourismus
Gebt einem besonderen Ort, einem Objekt, einer Fähre oder einem Restaurant einen Broadcast-Kanal. Die Account-Daten werden öffentlich hinterlegt - z. B. in einem QR-Code. Jeder Besucher kann sich dann einloggen und den Fans des besonderen Ortes eine Nachricht oder ein Foto pushen. Pling - Wir sind gerade auf der Smaragd-Insel Phu Quoc und essen seltsame aber leckere Dinge - siehe Foto - hier der Link zu unserem Reiseblog.

- Miet- oder ein Carsharing-Wagen
mit einem eigenen Broadcast-Kanal. Der jeweilige Benutzer kann dann pushen, wo er gerade rumgurkt oder welche Probleme er mit dem Wagen hat. Später kann er den Kanal abonnieren und mitverfolgen, was andere mit dem Auto so erleben. Pling - habe gerade einen Platten - wer hat den Wagenheber mitgehen lassen? Grrrrrr...!

- Baustelle / Labor / Kuhstall / Weinberg
bekommen alle einen eigenen Broadcast-Kanal. Jeder Mitarbeiter vor Ort loggt sich mit dem dokumentierten Account-Daten ein und pusht den Stand der Dinge oder der Prozesse an alle Projektbeteiligte. Pling - der Estrich ist nun trocken und begehbar. Die Elektriker können anrücken!

- Geocaching
Beim Geocaching sucht man mittels GPS und Smartphone nach versteckten Orten und "Schätzen". Das sind meist wasserdichte Behältnisse, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. In dieses Logbuch kann man sich eintragen und den Fund später auf einer Geocaching-Site dokumentieren.
Man könnte in diesem Geocache auch die Account-Daten des zugehörigen Broadcast-Kanals hinterlegen. Der findige Geocacher könnte dann noch vor Ort seine Entdeckung an die Gemeinde der Geocache-Owner posten. Pling - das war ein super tricky Cache - wir haben euren Schatz gefunden und ihn um eine Kleinigkeit bereichert.