Das Lesen auf Websites ist so wenig erbaulich, wie das Weintrinken aus Plastikbechern sinnlich. Ja, es geht. Man muss sich nur überwinden und das, was man landläufig Web-Design nennt, konsequent ignorieren. Man muss aktive und interaktive Werbe-Überlagerungen wegklicken und Flash-Banner ertragen, bis man endlich zu einem Stückchen Text kommt. Damit ist jetzt Schluss - dank meines neuen tapferen Freundes Instapaper.

Ich habe ihn auf dem iPad kennengelernt und gleich engagiert. Es gab da noch weitere dieser nützlichen Helfer; ich habe mich für meinen Instapaper entschieden und das habe ich bis heute nicht bereut. Er hält mir diese Web-Widerlinge vom Leib beziehungsweise aus meinem Geschichtsfeld und liefert mir brav die reinen Textinhalte, die er für meine Bedürfnisse augenverträglich aufbereitet.

 

Im Laufe der Zeit habe ich eine weitere Eigenschaft meines Freundes Instapaper zu schätzen gelernt: Er verschafft mir etwas, das für mich extrem kostbar geworden ist – Zeit. Es gibt nämlich da draußen im wilden Web noch viel schrecklichere Gestalten, die an nichts anderem interessiert sind, als meine Zeit zu stehlen. Und diese Wesen sind raffiniert. Sie können sich in harmlose Dinge verwandeln, in einen Tweet oder Link zu einem Blogeintrag. Klick man sie an, zeigen sie ihr wahres Wesen und beginnen unverzüglich damit meine Zeit zu fressen. Ein schlimmer Ort, welchen ich sehr ungern und nur unter Verwendung einer Tarnkappe betrete, ist dieses Gesichtsbuch. Mein Freund Instapaper weigert sich standhaft dieses Etablissement zu betreten. Also meiden wir beide dieses Buch, das eigentlich gar keines ist.


Es gibt auch freundlichere Einrichtungen, in denen man diese Zeitfresser domestiziert hat. Dort kann man recht ungefährdet nach interessanten Texten stöbern. Und genau dabei hilft mir mein Freund Instapaper. Sehe ich während meines Tagesgeschäftes aus den Augenwinkeln etwas scheinbar Interessantes in dem breiten Twitterfluss, dem quirligen ADN-Bächlein oder im Google-Zoo, veranlasse ich meinen Freund geschwind den Link zu schnappen und sich ihn einzuverleiben. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und ich kann meine Arbeit ungestört und frohen Mutes fortsetzen.

 

Meist am späten Abend, wenn sich die geschäftige Alltagsunruhe gelegt hat, präsentiert mir mein Freund Instapaper seine Tagesfänge wohl geordnet auf meinem iPad. Nun ist Zeit für meine nächtliche Lektüre. Störende Lärm- oder Lichtquellen werden zum Schweigen oder Erlöschen gebracht. Übrigens hat mein Freund nichts dagegen, wenn ich mir bei dieser beschaulichen Tätigkeit etwas Rotwein gönne. Natürlich nicht aus einem Plastikbecher.


Die Fänge sind nun mehr schon etwas abgehangen und man erkennt schnell, welche Themen die Dringlichkeit der Tagesfrische schon eingebüßt haben - sie wandern ungelesen ins Abfallkörbchen. Die restlichen Beiträge zeigt mir mein Freund nacheinander in weißer Schrift auf schwarzem Grund; meiner Lieblings-Anmutung. Nun kann ich mich auf den Text konzentrieren, und wenn es gut läuft, sogar die Sprache und Stil des Autors oder der Autorin genießen. Ich bin mittlerweile genügsam und begnüge mich schon mit einem interessanten Gedanken oder Anregung. Manchmal, wenn der Mond scheint oder gerade nicht, finden Instapaper und ich auch eine Perle, die ich ihm dann laut vorlesen muss. Sind wir uns schließlich über die Qualität des Fundes einig, hilft mir mein Freund mittels Tweet- und Netbot den Titel oder einen Textschnippsel zu vertwittern. Dabei genießen wir es längere Zitate bei app.net zu posten und sie dabei nicht ihres Kontextes zu berauben.. Glücklich und zufrieden schläft danach mein Freund in meinem iPad ein und vertreibt in seinen Instapaper-Träumen gefährliche Web-Monster. Ich beobachte noch eine Weile seine binäre Zuckungen und genehmige mir schließlich noch ein Gläschen meines roten Weines.

 

Mein Freund Instapaper 

 

*Abgesehen vom SoundCloud-Player wurden und werden auf dieser Website keine Grafiken verbaut - keine JPGs, keine GIFs, keine PNGs und erst recht kein Flash. Alles Grafische wird über das CSS abgedeckt. Den Rest erledigt das CMS nebst RSS-Feed. Punkt. Fertig. Aus. Es geht ums Lesen und nichts soll davon ablenken.