Innerhalb weniger Tage wurde der innere Wert einer Marke gedreht. Nicht irgendeiner Marke, sondern der der wertvollsten Marke. Wir sprechen von Apple.

 

Noch vor 14 Tagen orakelten die Wertschöpfungsanalysten der Ratingagenturen um die Zukunft von Apple. Das iPhone ist Geschichte und weitere disruptive Innovationen waren nicht in Sicht. Die Apple-Watch konnte wenig von dem alten Glanz zurückbringen. Und das nächste „One more thing“ hat den Gerüchtestatus noch nicht verlassen. Irgendwie war die Luft raus. Dem spröden CEO Tim Cook schienen die charismatischen und fast außerirdischen Charaktereigenschaften seines verstorbenen Vorgängers zu fehlen. Er ist nicht das egozentrisch-sympathische Superarschloch, dem man ob seiner Genialität zu Füßen liegt. Cook überzeugte nur als der glücklose Nachlassverwalter eines schillernden, aber untergehenden Sterns.

 

So oder in ähnlichem Licht wurde Tim Cook noch vor wenigen Tagen gesehen. Quo vadis Apple? Und dann der Paukenschlag, der in der Apple-Dämmerung die Wende brachte: Mit richterlichem Beschluss wurde Apple vom FBI das "Terroristen-iPhone von San Bernardino" vorgelegt. Allein diese überhöhte Bezeichnung eines Mobiltelefons schiebt schon den Mythos der gedemütigten amerikanischen Seele vor sich her. Per richterlicher Anweisung sollte der Konzern gezwungen werden, die technisch ausgeklügelte und von den US-Diensten (und anderen zeitgenössischen Monstern) nicht zu überwindende Verschlüsselung für alle Geräte durch eine Hintertür zu umgehen.

 

Damit wäre das Terroristen-iPhone ein Trojanisches Pferd um die Verschlüsselung der Privatsphäre ein für alle Mal auszumerzen. Der Feuer spuckende staatliche Drachen war in Stellung gebracht - aber was wäre eine gescheite Dramaturgie ohne einen Siegfried? Dass diese jugendliche Heldenrolle ausgerechnet von dem bereits angegrauten Hagedorn Tim Cook übernommen wurde, überraschte. Und die Überraschung gelang. In seinem offenen Brief "A Message to Our Customers" legte er alle Karten auf den Tisch und lehnte die behördliche Anweisung kategorisch ab. Nun war es raus. Es gab höflichen Beifall von den Rängen und Zuspruch von Google und Facebook, die als Geschäftsmodell alle Hinter- und Seitentüren u.a. für die Werbewirtschaft sperrangelweit offen halten.

 

Das dramatische Singspiel um das "Terroristen-iPhone von San Bernardino" ist noch in vollem Gange und ein Ende nicht abzusehen. Aus dem künstlichen Dunst der Nebelmaschinen tritt ein neues Momentum in das Licht der Erkenntnis: Timm Cook scheint es gelungen zu sein, den "inneren Wert" des Gerätes vom hedonistischen Spielzeug zu einem Trutz-Phone der Privatsphäre gedreht und damit die Marke bei der netzpolitischen Bürgerrechtsbewegung angedockt zu haben. Chapeau!

 

Warum der Streit zwischen Apple und dem FBI so wichtig ist."

Apple vs. FBI: Krypto-Krieg 2.0 - Digital - Süddeutsche.de